Arnold Rieser
Taekwon-Do Lehrer - Fitness-/Gesundheitstrainer IHK - Personal Trainer
Meister - Großmeister

MeisterZuerst möchte ich klarstellen, dass ich nicht unbedingt ein Freund des Graduierungssystems bin. Aber ich habe vor vielen Jahren eine Kampfkunst gewählt, die ein solches System nutzt und so unterstütze ich es, so gut es geht. Ich halte die ursprüngliche Herangehensweise, bei der es nur Schüler und Lehrer gab für besser, sehe aber, dass das Graduierungssystem den Schülern hilft zu zeigen wo sie stehen und den Lehrer bei großen Gruppen unterstützt, das Training entsprechend zu steuern.

Nun aber zum eigentlichen Thema. Ich wundere mich immer wieder, wie inflationär mit dem Begriff „Meister“ umgegangen wird. Da tritt ein Schüler, der sich hoffentlich einige Jahre auf diesen Tag vorbereitet hat, zur DAN-Prüfung an, besteht seinen ersten Schwarzgurt und wird ab diesem Moment „Meister“ genannt. Schlimmstenfalls hält er sich ab diesem Moment auch für einen solchen!

Dabei ist diese erste Schwarzgurtprüfung nichts weiter wie eine weitere Tür, durch die der Schüler geht. Das Grundgerüst steht, jetzt fängt das richtige Lernen und Begreifen an. Nicht das ich die Leistung des Probanden schmälern möchte, die erste DAN Prüfung ist schon etwas Besonderes und dafür hat man sich entsprechend vorbereitet, geschwitzt, geblutet, Schmerzen in Kauf genommen. Und man steht mit einer Gruppe von Anwärtern vor einer Prüfungskommission und muss zeigen, ob man es kann. Die Nervosität steigt und man darf keine Nerven zeigen. Und hat man es geschafft, fällt eine riesige Last von einem ab, man hat es geschafft.

Aber diese erste Schwarzgurtprüfung ist vergleichbar mit der Gesellenprüfung zum Abschluss der Ausbildung oder mit dem Abitur. Ab jetzt geht es richtig los. Man wendet das gelernte an und versucht in seinem Fach immer besser zu werden. Im Taekwon-Do ist man jetzt Assistenztrainer und unterstützt den Lehrer – oder von mir aus auch „Meister“ (ganz ehrlich – ich mag den Begriff nicht) – bei der Ausbildung der Schülergrade. Und das gilt bis zum 3.DAN. Die koreanische Bezeichnung für die Assistenztrainer ist übrigens Kyosa-Nim (sprich: Kyoscha).

Und dann kommt, nachdem einige Jahre des Lehrens und Lernens in Land gegangen sind, die Prüfung zum 4.DAN. Mit Bestehen dieser Prüfung ist man legt man seine „Meisterprüfung“. In der ITF, dem ersten offiziell gegründeten Welt-Taekwon-Do Verband ist man ab dieser Prüfung „International Instructor“. Frühestens ab jetzt wird man der Bezeichnung „Meister“ gerecht. Die koreanische Bezeichnung ist hierfür Sabum-Nim. Aber dummerweise meinen jetzt einige man wäre „Großmeister“ – als Steigerung zur vorherigen Bezeichnung. Dem ist aber nicht so!

In der Regel bildet man ab jetzt eigene Schüler aus, arbeitet weiter mit dem Lehrer an sich und versucht, das Gelernte zu verbessern und zu perfektionieren. Perfektion in Vollendung wird man zwar niemals erreichen, aber das Streben danach sollte bei jedem Kampfkünstler einer der Hauptmotive sein. Irgendwann, nach weiteren Lehrjahren steht dann die letzte technische Prüfung – zum 6.DAN – an. Und jetzt, nachdem man das komplette Curriculum innehat wäre der Zeitpunkt das man als „Großmeister“ benannt wird. Sicherlich mag es in einigen Verbänden oder freien Vereinigungen hier abweichende Regelungen geben. Aber wie schon anfangs erwähnt, schreib ich hier für mich. So habe ich es gelernt und so gebe es auch an meine Schüler weiter.

Ich habe schon weiter oben geschrieben, dass ich persönlich die Bezeichnung „Meister“ oder „Großmeister“ nicht mag. Das impliziert immer, dass man über Anderen steht. Aber so sehe ich mich nicht. Denn meine Schüler lernen von mir und ich lerne von meinen Schülern. Wenn andere mich so bezeichnen und es vielleicht auch ein wenig Werbung für unsere Gruppe ist, kann ich damit leben. Wenn aber andere sich so bezeichnen, muss ich mich doch immer wieder darüber wundern. Vor allem, wenn es auf Lehrgängen oder Seminaren geschieht und sich einige damit profilieren wollen.

Ich habe schon viele Kampfkünstler kennenlernen dürfen, auf die die „Meister“-Bezeichnung zutreffen würde, die sich selber aber niemals als solcher bezeichnet haben. Und das macht, neben dem Beherrschen der Kampfkunst für mich den wahren „Meister“ aus.

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